"Mein wichtigstes Instrument von dem ich ausgehe bei meinen Kompositionen ist das Gefühl und die Ohren, die Augen ersetzen. Als Geborener in Istanbul bin ich von Kindheit auf mit dem geordneten Chaos infiziert. Der Klangteppich wird als Sinuston im Ohr ein Leben lang mitgetragen. Mit jedem meiner Werke komme ich meinem Ziel näher- dieser Welt eine Farbe zu hinterlassen, die noch nicht definiert wurde und die man hören kann."

"Allein dieses Credo von Atac Sezer unterstreicht, dass er mehr als nur ein Wanderer zwischen zwei Welten ist. Zwischen seiner türkischen Heimat und Deutschland, wo er längst lebt und arbeitet. Wenn Sezer in seinen Kompositionen Einflüsse aus der reichen, osmanischen Tradition einfließen lässt, will er schließlich damit nicht etwa zu jener Musik-Szene gehören, die er durchaus distanziert mit „Multikulti“ bezeichnet.
Der 31-Jährige schafft es vielmehr, zwei scheinbar unterschiedliche Klangkontinente nahezu deckungsgleich übereinander zu schieben.

    Dahinter steckt aber nicht nur der Anspruch, Stücke zu komponieren, die keinem Zeitgeist folgen und damit noch in hundert Jahren Bestand haben. Wer wie Sezer bei Dieter Schnebel (Berlin) und Matthias Pintscher (München) studiert hat, der muss einfach ein experimentierfreudiger Unruhestifter im Zirkel von oftmals allzu schnelllebigen Klangmoden sein. So sehr Sezer dafür seine Gedanken haarfein auf der Partitur ausformuliert, so besitzt seine Musik dabei stets eine erstaunlich magnetische Sinnlichkeit.

    Atac Sezer: „Meine Musik ist ein Drang nach Phantasie. Und so wie der Wunsch wie ein Vogel im Traum zu fliegen, bleibt es ein Spiel. Ein Spiel in dem ich die Charaktere, Dialoge und Handlung wie Legosteine selbst zusammensetze. Spiel mit Realität und Surrealismus. Veränderter Klang der Instrumente, Multiphonic, Mikrostruktur, alles was nach einer Spaltung aussieht, ist jedoch in Wirklichkeit immer ein Körper. Ein unsichtbares Istanbulkleid, durchwebt mit Fäden meiner klanglichen Erlebnisse, legt sich auf die deutschen Strassen nieder und verändert die Realität.“"

 

 

 

                                                    vom 05. 05. 2010/ MusikTriennale Köln